Presse-Artikel: Theater
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Benjamin Stoll hat das Stück »Abraham aus Liebe« selber geschrieben / Theateraufführung in Sulz
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Sulz. Das Theaterstück »Abraham aus Liebe« basiert auf der biblischen Geschichte. Schauspieler und Autor Benjamin Stoll hat den Stoff in die Moderne geholt, seine eigenen Erfahrungen darin verarbeitet und daraus eine bewegende Vater-Sohn-Geschichte gemacht.
Das Interesse an dem Stück war riesengroß. Einige Zuschauer im evangelischen Gemeindehaus mussten sogar mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.
Abraham im Kreißsaal: Es ist die Szene gleich zu Beginn. »Warum schreit die denn«, ruft Abraham und greift nach einer Zigarette. Stoll gelingt es, die Distanz zu seinem Protagonisten zu wahren und ihn damit auch mit Humor darstellen zu können. Der Kreißsaal beschert dem Publikum aber auch einen ungemein intensiven Moment. Dann nämlich, als Abraham seinen Sohn zum ersten Mal im Arm hält. Dieser Abraham kann aber auch ziemlich einschüchternd wirken. Immerhin betrachten ihn mit den Juden und den Muslimen gleich zwei Weltreligionen als ihren Stammvater. Stoll befreit ihn in seinem Stück von diesem historischen Ballast und konzentriert sich auf die Beziehung zu seinem Sohn Isaac. Abraham gibt dabei ganz den liebevollen, modernen Vater, auch wenn er gelegentlich sein Alter ironisiert. Er spielt mit seinem Sohn Fußball, Verstecken oder erklärt ihm den Sternenhimmel.
Der Ausgang des biblischen Stücks ist bekannt: Abraham soll seinen Sohn opfern, und Gott entbindet ihn erst im allerletzten Moment von dieser Bürde.
Der Autor hat allerdings im Vergleich zur biblischen Geschichte den Fokus verändert: Er will zeigen, dass ein solch dramatisches Ereignis keine Vater-Sohn-Beziehung unbeschadet lässt.
Während er seinen Sohn fesselt, schreit Abraham immer wieder: »Schau mich nicht an.« Die Verzweiflung, die er dabei zeigt, rührt zutiefst.
Stoll hat selbst einen Sohn verloren. »In diesem Stück flossen persönliche Erfahrungen ein«, gibt er denn im Interview nach dem Auftritt auch zu. Auf der Bühne zeige er aber keine echten Gefühle. »Da muss man als Schauspieler Abstand nehmen. Sonst geht man drauf.« Egal wie er es macht: Sein Spiel geriet überaus eindrucksvoll.
Jens Sikeler
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