Presse-Artikel: Theater
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Benjamin Stoll faszinierte 250 Besucher mit seinem Ein-Mann-Theaterstück
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Der Berliner Schauspieler Benjamin Stoll betrachtete im evangelischen Gemeindehaus Sulz die biblische Figur Abrahams aus Sicht eines Vaters, dem es fast das Herz zerreißt, als er den Auftrag Gottes erfüllen soll. Mit brillanter Emotionalität und pantomimischer Perfektion faszinierte Stoll mit seinem Ein-Mann-Stück, für das er lediglich einen Stuhl als Requisite braucht.
Sulz. „Veranstaltung ausverkauft“ – das stand am Sonntagabend an der Eingangstür des evangelischen Gemeindehaus in der Sulzer Kanalstraße, denn mit 250 Zuschauern platzte der zur Verfügung stehende Raum fast aus allen Nähten. „Sie haben mich wahrscheinlich viel älter erwartet“, begrüßt dann Benjamin Stoll sein Publikum. „Sie haben recht, ich war alt – sehr alt ...“
Die Biblische Geschichte des hundertjährigen Abraham, dem Gott einen Sohn von seiner 90-jährigen Frau Sara verheißt, gehört zu den bekanntesten Geschichten des Alten Testaments. Doch viel zu oft wird diese Geschichte, in der Gott von Abraham dann verlangt, seinen geliebten Sohn zu opfern, nicht hinterfragt.
Benjamin Stoll war bereits Vater eines Sohnes, als er anfing, sich mit Abraham zu beschäftigen, und damit begann, ihn als Menschen mit Gefühlen lebendig werden zu lassen.
Aus zwei abwechselnden Perspektiven – die eine orientiert sich an der biblischen Erzählung, in der anderen ist Stoll ein liebender Vater, der das Geschehen in die Gegenwart holt – lässt der Schauspieler den Zuschauer miterleben, wie Abraham in seiner Vaterliebe durch Hoffnung und Verzweiflung geht.
Er habe das Stück auch schon vor Moslems und Juden gespielt, erzählt Benjamin Stoll im Gespräch mit Ruth Wandel, und so fängt er auch am Anfang der Geschichte an: „Wissen Sie, meine Frau und ich, wir konnten keine Kinder bekommen, und wenn der Herr einem verheißt, Vater zu werden, dann sieht man sich herausgefordert.“
Und Stoll gibt auch dem ersten Sohn Abrahams, den er mit seiner Magd zeugte, einen Platz in Abrahams Herzen, verschweigt nicht, wie schwer es ihm fällt, Ismail zusammen mit seiner Mutter wegzuschicken. „Pass gut auf deine Mutter auf“, so gibt er Ismail den Segen, bevor die beiden aufbrechen.
In emotionsgeladenen Monologen, die durch Stolls herausragende pantomimische Umsetzung als Gespräche zwischen mehreren Personen wahrgenommen werden, baut der Mime in Sekundenschnelle Spannung auf, die er durch blitzschnelle interaktionen wieder entlädt.
Beim Fußballspiel oder beim Verstecken flitzt Stoll zur Überraschung aller durch die Zuschauerreihen, um Isaak zu suchen, und jeder glaubt es ihm aufs Wort: „Können Sie sich vorstellen, wie mir der Kleine ans Herz gewachsen ist?“
In der nächsten Szene dann der verzweifelte Aufschrei: „Was? Du willst den einzigen Sohn, der mir geblieben ist?“ Jeder konnte mitfühlen, wie verzweifelt Abraham gewesen sein muss, aufgerieben zwischen der Nachfolge des Herrn und der Liebe zu seinem Sohn.
Isaak folgt ihm, er trägt sogar das Holz, doch spätestens als er die Hände auf den Rücken binden lassen soll, lässt er sich auch von Abrahams besorgter Frage – „Ist es zu fest?“ – nicht täuschen. Er fühlt den Vertrauensbruch, und als dann der WIdder auftaucht, läuft Isaak weg. „Isaak, wo willst du hin?“ Benjamin Stoll verharrt als Abraham in der Dunkelheit und lässt die Situation für sich aufs Publikum wirken.
Dann sein Schluss: „Ich weiß auch nicht, warum ich Ihnen das alles erzähle. Vielleicht möchte ich mich dafür entschuldigen, warum es mir so schwer gefallen ist, dem Auftrag des Herrn nachzukommen. Vielleicht verstehen Sie jetzt, was es heißt, wenn ein Vater seinen einzigen Sohn opfert – aus Liebe.“
Für Benjamin Stoll war es eine Herausforderung, die Aspekte von Vertrauen – Folgen – Gehorsam aus dem Alten Testament mitten in unser Leben zu stellen, dem Abraham menschliche Züge zu verleihen, ihn als liebenden Vater annehmen zu können und auch seine Schwächen nicht zu verschweigen.
Im Interview kommt Stoll auch auf Jesus zu sprechen: „Gott hat seinen einzigen Sohn hingegeben – der Weg dahin war wahnsinnig schwer.“ Berührend auch Benjamin Stolls Schlussworte: „Ich möchte was mitgeben, was mich persönlich berührt und bewegt.“
Anastasia Vollmer
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