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„Abraham aus Liebe“ – Operaton C e. V. holt die biblische Figur auf die Bühne im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Welzheim
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Welzheim. Ergreifender Abend: Operation C e. V. holte die biblische Figur Abraham ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Welzheim.
Die Bühne ist finster. Der Klang der Ouvertüre erfüllt den Raum. Die Spannung im Publikum ist spürbar. Dann erstrahlt die Bühne in hellem Licht. Auf der Bühne nur ein schlichter Stuhl und der Hauptakteur des Abends: „Sie haben mich wahrscheinlich viel älter erwartet“ – so beginnt Schauspieler Benjamin Stoll aus Berlin sein Soloprogramm in der Rolle des Abraham. Und dann taucht er ein in seine Geschichte – in die Geschichte eines Vaters voller Liebe und Leidenschaft.
Dabei erscheint Abraham nie als historisch verstaubte Figur des Alten Testaments. Seine Gefühle, Ängste und Zweifel verleihen der Figur ihre Menschlichkeit und geben dem Besucher die Möglichkeit, sich in ihr wiederzufinden. Neben tiefen Gefühlen des Zweifelns, der Angst oder gar der Wut übersetzen humorvolle Passagen die Geschichte in die Gegenwart.
Im Zentrum steht die Beziehung Abrahams zu seinem ihm einzig noch gebliebenen und von Gott so spät verheißenen Sohn. Mit ihm durchlebt Abraham ein Wechselbad der Gefühle. Er erinnert sich ans Fußballspielen und Verstecken, an die unzähligen Fragen Isaaks unter dem nächtlichen Sternenhimmel, aber auch an ie schwerste Prüfung in seinem langen Leben. Seinen einzigen Sohn soll er Gott anstelle eines Opfertiers geben. Mit schwerem Herzen, aber treu im Glauben begibt sich der liebevolle und zutiefst leidende Vater auf die für Isaak wohl letzte Reise. Innerlich zerrissen errichtet er den Altar. Er nimmt das Messer im festen Glauben, dass sein Gott auch in dieser Situation eingreifen wird. Und es geschieht. Mit einem Schrei der Verzweiflung und zugleich Befreiung fällt Abraham zu Boden. Gott steht zu seiner Verheißung und lässt Isaak am Leben. Und er sorgt für den Widder, genau wie er später seinen einzigen Sohn Jesus Christus als Lamm für die Schuld der gesamten Menschheit opfern wird.
Stoll überzeugt
Benjamin Stoll begeistert an diesem Abend mit einer in allen Belangen überzeugenden Darbietung. Von Anfang an gelingt es ihm, die Brücke zum Zuschauer zu schlagen und diesen mit ins Geschehen zu integrieren. Er erlernte sein Handwerk an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm und im Rahmen seiner Ausbildung für Film und Fernsehen in Berlin. Neben seinen Soloprojekten ist er auf vielen Theaterbühnen, mit Rollen in Film und Fernsehen sowie als Regisseur, Autor und Seminarleiter tätig. Und er steht mit beiden Beinen im Leben. Er – selbst Vater von drei Söhnen – spielt an diesem Abend Abraham, doch gleichermaßen sein eigenes Leben, seine Erfahrungen, seine Gefühle. Das macht ihn authentisch und sympathisch.
(Welzheimer Zeitung, 09.07.08)
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