Exposé zum Pop-Oratorium #Himmelreich

Vorgedanken

Mit den Seligpreisungen wird im Matthäusevangelium die Bergpredigt Jesu eröffnet und trifft ohne Umschweife mit einer gewaltigen Botschaft mitten ins Herz der Menschheit.

„Selig sind …“ – so verdeutschte Luther das griechische Wort makários, während Elberfelder und Schlachter mit glückselig übersetzten. Das Wort Selig hat jedoch im heutigen Deutsch seine ursprüngliche Bedeutung schon fast verloren. Man könnte es treffender mit „zu beglückwünschen sind …“ übersetzen, so wie es moderne Übersetzungen wie die NGÜ („Glücklich zu preisen“) oder die Gute Nachricht („Freuen dürfen sich alle“) inzwischen tun.

In der Folge werden nun Menschen aufgezählt, die in der antiken Zeit zu den untersten der Armen der Gesellschaft gehörten. Somit Menschen, mit denen selbst die Ärmsten der Gesellschaft lieber nicht tauschen wollten.

Das Matthäus-Evangelium listet an dieser Stelle hintereinander acht Seligpreisungen auf, die sich an eine in der dritten Person angesprochene Zielgruppe richtet (eine neunte richtet sich abschließend an einen Personenkreis in der zweiten Person plural). Diese Seligpreisungen lassen sich in zwei Teile gruppieren.

Die ersten vier Seligpreisungen richten sich an eine Gruppe von Menschen, die aufgrund ihres Zustands ganz unten im weltlichen Rang und Ansehen angekommen sind:

  • Selig sind die geistlich Armen
  • Selig sind die Trauernden
  • Selig sind die Gewaltlosen (auch übersetzbar mit „die Sanftmütigen“)
  • Selig sind die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit

Der zweite Teil der Seligpreisungen richtet sich an Menschen, die aus ihrer Situation heraus aktiv geworden sind, oder aufgrund ihrer Aktivität in diese Situation hineingeraten sind:

  • Selig sind die Barmherzigen
  • Selig sind die reines Herzens sind
  • Selig sind, die Frieden stiften
  • Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden

Auffallend ist, dass es sich bei Matthäus an vierter und achter Stelle um Menschen handelt, die nach „Gerechtigkeit“ streben und dass an erster und achter Stelle diesen Menschen „das Himmelreich“ verheißen wird. Somit werden auf diese Weise beide „Gruppen“ eingerahmt und abgeschlossen.

Auch die Zahl 8 kann hier in ihrer antiken Bedeutung durchaus ernst genommen werden. Während die 6 für das Irdische, das Vergängliche – also für die Unvollkommenheit – und die Zahl 7 für die Vollkommenheit – daher für das Göttliche – stehen, symbolisiert die 8 in ihrer frühzeitlichen Bedeutung die Ewigkeit und somit das Reich Gottes (auch in der Wissenschaft symbolisiert eine liegende 8 die Unendlichkeit).

Jesus schenkt nun diesen Menschen Trost und Hoffnung, in denen er ihnen in ihrer Situation ein gutes Ende in Aussicht stellt:

  • … ihrer ist das Reich der Himmel
  • … sie sollen getröstet werden
  • … sie werden das Land erben
  • … sie sollen satt werden
  • … sie werden Barmherzigkeit erlangen
  • … sie werden Gott schauen
  • … sie werden Gottes Kinder heißen
  • … ihrer ist das Reich der Himmel

Der Begriff „Reich der Himmel“ (basileia ton ouranon wörtlich „Königreich der Himmel“), ist in vielen Übersetzungen mit „Himmelreich“ beschrieben, steht im Urtext allerdings im Plural. Hier ist der Hintergrund spannend, dass im jüdischen Sprachgebrauch der Himmel eine Umschreibung für Gott selbst darstellt.

Jesus scheint es daher nicht nur um das Himmelreich im Jenseits zu gehen, das auf diese Menschen wartet, wenn sie diese Strapazen durchstanden haben.

Denn wie sonst kann Jesus, als Sohn Gottes, der die Menschen liebt, solchen Menschen gratulieren? Menschen, die in dieser Situation alles andere als beglückwünscht werden wollen und hier womöglich ein gehässiges Nachtreten empfinden?

Um hierauf eine Antwort zu finden, müssen die Menschen damals wie heute ihre menschliche Vorstellung von Gut und Böse, ja vielleicht sogar ihr gesamtes Weltbild über Bord werfen, um sich auf diesen einen liebenden Gott und seine über diese Welt hinausgehende Botschaft einzulassen.

Ebenbild Gottes als Schlüssel zu den Seligpreisungen

Hierfür soll die Beziehung Gottes zu den Menschen in den Fokus gerückt werden, um ein besseres Verständnis, vielleicht auch den Schlüssel zu einer neuen Dimension der Guten Botschaft zu erhalten.

Als Gott den Menschen erschuf, schuf er ihn als sein Gegenüber, als sein Ebenbild (1. Mose 1:26). Gott ist die Liebe (1. Johannes 4:16) und die Liebe kommt ausschließlich in der Beziehung zum Ausdruck. Ohne ein Gegenüber, das geliebt wird, kann sich Liebe nicht entfalten. Gott in seiner Dreieinigkeit liebt in sich selbst: Vater, Sohn und der Heilige Geist der Liebe, der sie verbindet. Gott ist in seiner Vollkommenheit auch in seinem Lieben völlig unabhängig. Die Erschaffung des Menschen ist daher nicht Notwendigkeit, sondern Ausdruck seiner Liebe. Somit ist der Mensch als Ebenbild Gottes als reines Beziehungswesen geschaffen worden. Ein Beziehungswesen, das mit offenem Herzen bedingungslos lieben und geliebt werden will.

Der Sündenfall (1. Mose 3) stürzte den Menschen als Beziehungswesen in ein komplett anderes Umfeld. Die Erkenntnis von Gut und Böse (1. Mose 3:5) und das Bewusstsein der Sterblichkeit veränderten von jetzt an den Blick des Menschen auf sein Umfeld. Der Mitmensch ist seither nicht mehr Gegenüber, Freund und Beziehungswesen. Der Mitmensch ist nun des Menschen Konkurrent.

Da abgekapselt von Gott am Ende des Lebens der Tod auf den Menschen wartet und die Zeit nun nicht mehr ewig sondern befristet ist, führt die im Beziehungsmenschen tief verankerte Sehnsucht nach Anerkennung und Zuwendung – statt zu einem Miteinander – zu einem sich abgrenzen und behaupten Müssen.

In dieser gefallenen Schöpfung scheint nun alles verkehrt zu sein. Wer oben steht, liebt und dient nicht mehr seinen Untergebenen, er drangsaliert sie und hält sie klein, um selbst oben bleiben zu können. Aus dem Verlangen zu lieben und geliebt zu werden, ist nun ein Bestreben nach Anerkennung durch Leistung, aus dem Zusammen ein Vergleichen geworden. In der Folge führt das Bestreben nach Schutz und Sicherheit zur völligen Isolation und Einsamkeit.

Denn ein weiterer Aspekt ist die Art und Weise, wie sich der nun verletzbare Beziehungsmensch mit seinem bisher offenen Herzen schützt und abschottet: Wer in Beziehung auf seine Mitmenschen zugeht, um zu helfen, sich gegenseitig zu unterstützen oder zu erbauen, läuft Gefahr seine eigenen Schwächen und Mängel zu offenbaren und somit für den Anderen angreifbar und verletzlich zu werden.

Daher ist es menschlich betrachtet einfacher und bequemer, sich „irdisch“ abzusichern und zu schützen: Das Streben nach Gewalt, Macht, Reichtum und Gesetzlichkeit hilft, sich im Leben vor Angriffen und Gefahren abzusichern. Sie sind in dieser Welt vermeintliche Überlebensgaranten.

Mit Gewalt hält man sich Gegenangriffe vom Leib. Durch Macht und Reichtum kann sich der Mensch die Gegenwart seiner Mitmenschen erzwingen oder erkaufen, ohne in echte Beziehung mit ihnen treten und ohne sich dabei selbst öffnen und verletzlich zeigen zu müssen. Seine Angestellten, Bediensteten oder Untergebenen müssen ihn so ertragen, ohne dass er sich auf sie einlassen und sich womöglich ändern muss. Sogar für bezahlte Liebe gibt der Mensch Geld aus und entkommt echter Beziehung mit all ihren Herausforderungen.

Zu guter Letzt sind es Regeln und Gesetze, die der Mensch missbraucht, um der echten Beziehung mit anderen Menschen aus dem Weg zu gehen: Der Mensch nimmt Regeln und Gesetze lieber als Maßstab, um sich im Recht zu fühlen und nicht ändern zu müssen. Bei Problemen in der Nachbarschaft sucht der Mensch lieber einen Anwalt auf, als sich mit seinem Nachbarn zu verständigen und einigen zu müssen. Für vermeintliches Recht und Gerechtigkeit, für Schuld und Sühne muss man sich nicht öffnen, braucht man kein Aufeinanderzugehen und keine Vergebung.

Doch selbst im banalen Alltag zeigt sich die Konsequenz: Die Niederländische Stadt Emmen war die erste, die in ihrer Innenstadt alle Verkehrsschilder abschaffte. Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger müssen sich seither gleichberechtigt verständigen. Die Folge war jedoch ein drastischer Rückgang von Verkehrsunfällen, denn seither sind die Menschen gezwungen, miteinander zu kommunizieren und wieder in Beziehung zu treten.

Nicht nur Regeln bis ins Detail, auch die Bequemlichkeit und der Komfort neuer Technik führen in die Beziehungslosigkeit. Statt miteinander zu in Kontakt zu treten, sitzen Menschen isoliert vor ihren eigenen Bildschirmen und konsumieren Fernsehen und Internet. Smarthome-Automationen führen zu Alltagssteuerung ohne, dass menschliche Kommunikation notwendig wird. Auch die alltägliche mobile Navigation führt dazu, dass Menschen nicht einmal mehr nach dem Weg fragen und somit andere Menschen in neuem Umfeld kennen lernen müssen.

In der Folge der Bergpredigt (Matthäus 5:17ff) geht Jesus auf genau diese Problematik ein und durchleuchtet diesen falschen Umgang des Menschen mit dem Gesetz und dem Leben.

Die Kernbotschaft der Seligpreisungen erschließt sich daher auch mit dem weiteren Verlauf des Matthäusevangeliums, wenn Jesus aufzeigt, wie schwer es für einen irdisch reichen Menschen ist, das Himmelreich zu ergründen (Matthäus 19:24).

Der christliche Glaube kann weder mit irdischen Maßstäben gelebt noch verstanden werden. Daher waren Jesus vor allem diejenigen ein Dorn im Auge, welche die Offenbarung Gottes nach irdischen Maßstäben verstanden und lehrten (Matthäus 7:15ff; Matthäus 25:31ff). Auch die Gleichnisse vom Verloren Sohn (Lukas 15:11ff), bei dem das Verhalten den Vaters für den Zuhause gebliebenen Bruder völlig unverständlich blieb und von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20:1ff), bei dem die letzten Arbeiter den gleichen Lohn wie die ersten bekamen, finden nur so ihren Einklang mit der Liebe Gottes.

Dass die Seligpreisungen, sowie die gesamte Bergpredigt selbst weit über das irdische hinaus gehen und nur so verstanden werden können, darauf weist der Autor des Matthäusevangeliums hin, in dem er die Reaktion der Zuhörer aufzeigte (Matthäus 7:28+29).

Für Jesus sind daher diejenigen zu beglückwünschen, die weltlich betrachtet bereits am Boden zerstört sind und denen alles genommen wurde. Ihnen muss man nicht mehr erklären, wie segensreich echte Beziehungen sein können: Diesen Menschen steht der Himmel offen!

Wer geistlich arm ist, betrachtet sich selbst und Gott gegenüber nicht für gut, weil er meint, dem gesetzlichen Maßstab zu entsprechen. Er streckt sich voller Sehnsucht nach Gott aus, sucht ihn im Alltag und verlangt danach, ihn zu hören und zu erleben. Ihm steht der Himmel offen.

Wer trauert und leidet, dem ist der Boden unter den Füßen weggerissen worden. Das Diesseits trägt und hält ihn nicht mehr. Ihm steht der Himmel offen.

Machtlos und gewaltlos ist, wer keine irdischen Mittel mehr hat, sich zur Wehr setzen zu können. Er ist der Gewalt und Unterdrückung völlig ausgeliefert. Sein Vertrauen in die Welt und in seine Mitmenschen ist zerstört. Selbst wenn er dazu noch die Möglichkeit hätte, verzichtet er freiwillig auf Gewalt (sanftmütig), weil er darin keinen Sinn mehr sieht und womöglich nicht noch mehr Schaden anrichten will. Was hindert ihn noch daran, sich nach Gott auszustrecken und auf seine Gnade und Liebe zu hoffen? Ihm steht der Himmel offen.

Wer hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, hat die tiefste Ungerechtigkeit dieser Welt bereits erfahren und am eigenen Leib gespürt. Aber dieser Funken Gottes in ihm, die Sehnsucht nach einer heilen Welt, ist nicht erloschen. Ihm steht der Himmel offen.

So mancher verurteilte Straftäter, bei dem man es nie für möglich gehalten hatte, fand am tiefsten Abgrund seines Lebens, mitten in seiner einsamen Zelle zum Glauben. Er war vollkommen offen für das Wort Gottes, was hatte er jetzt noch zu verlieren?

Irgendwo in Afrika sitzen viel zu viele Menschen vollgestopft in einem Bus, um stundenlang auf holpriger Straße in die nächste Stadt gefrachtet zu werden. Dort werden sie für einen Hungerlohn viel zu lange arbeiten. Zu gleicher Zeit fahren in einer europäischen Großstadt Menschen in einer U-Bahn höchstens zwanzig Minuten zur Arbeit und genießen bei guter Bezahlung und Unterhaltungsprogramm auf den Bildschirmen deutlich mehr Komfort, während eine adäquate Arbeitszeit auf sie wartet. Seltsamerweise singen, lachen und freuen sich die Menschen im afrikanischen Bus, während in der europäischen U-Bahn triste Einsamkeit herrscht.

Europäer genießen ein wohldurchdachtes Gesundheitssystem, bei dem auch die Ärmsten grundversorgt werden, während in den USA viele Menschen von einer gesetzlichen Krankenkasse träumen und sich medizinische Hilfe oft nicht leisten können.

Wer in Deutschland mit dem vom Staat geförderten Gesundheitswesen an seine Grenzen stößt, wird von seinen Mitmenschen jedoch oft im Stich gelassen oder sogar müde belächelt. Dabei ist es in den USA selbstverständlich, dass an dieser Stelle das Umfeld nach Möglichkeit für einen Mitmenschen Geld spendet, wenn dieser ärztliche Hilfe benötigt und nicht aus eigener Kraft dafür bezahlen kann.

In den Seligpreisungen geht Jesus hier mit der Menschheit hart ins Gericht: Freut euch, wenn es euch dreckig geht, denn dann steht euch der Himmel offen und ihr braucht nur noch die Hand auszustrecken! Freut euch, denn euch muss man das nicht mehr erklären!

Aber noch viel mehr zeigt Jesus im zweiten Teil der Seligpreisungen auf: Die Barmherzigen, die reinen Herzens sind, die Friedenstiftenden und die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, sind nicht als unterschiedliche Personen zu betrachten. Gemeinsam mit den Adressaten der ersten vier Seligpreisungen sind sie eins: Denn sie sehen in ihrer Position den anderen Menschen bereits nicht mehr als Konkurrenten. Sie sehen ihn als Gleichgesinnten, als Gegenüber.

Somit zeigt Jesus nicht nur auf, dass das Himmelreich im Jenseits auf den Menschen wartet. Wer sich auf die Liebe Gottes einlässt und göttliche Beziehung lebt, erfährt das Himmelreich bereits im Hier und Jetzt.

Barmherzigkeit ist kein Mitleid und kein schlechtes Gewissen, das einem überkommt, wenn man ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer oder hungernde Kinder in Afrika sieht und sich selbst bewusst wird, wie gut es einem doch geht.

Barmherzigkeit, hebräisch Rachamim, ist ein nicht planbares tiefes Bauchgefühl, ein Schmerz, der es einem „ins Gedärm haut“ (Luther). Ein Zustand in dem man zutiefst berührt und betroffen wird. Weil hier kein Konkurrent auf der Strecke gelassen wird, sondern ein Gleichgesinnter, ein Bruder, eine Schwester leiden muss.

Jesus war durch und durch dieser Mensch, der in jedem Mitmenschen sein Ebenbild sah und keinen Konkurrenten. Es berührte ihn zutiefst, seine „Brüder“ und „Schwestern“ leiden sehen zu müssen. Wenn er heilte, tat er das nicht rational, sondern aus purer Barmherzigkeit.

Wer als Mensch diese Barmherzigkeit erfährt und lebt, dem ist das Himmelreich bereits nahe.

„Viele Menschen benutzen das Geld, das sie nicht haben, für den Einkauf von Dingen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen“ (Walter Slezak). Reines Herzens ist, wer die Ablehnung Anderer bereits schmerzlich erfahren hat. Er hat den falschen Konkurrenzkampf längst durchschaut und ist es leid, anderen irgendetwas vormachen und beweisen zu müssen, nur um falsche Anerkennung zu ergattern. Dieser Mensch hat seine Scheu abgelegt und keine Angst mehr, offen und ehrlich gegenüber Gott seine Fehler und Schwächen einzugestehen und seinen Mitmenschen zu begegnen. Er muss sich niemandem mehr beweisen. Das Himmelreich ist ihm bereits nahe.

Friedenstiftend ist nicht, wer lediglich Gewalt ablehnt. Einer liebenden Mutter bricht es das Herz mitansehen zu müssen, wie sich ihre eigenen Kinder streiten. Sie verzichtet nicht nur freiwillig auf Gewalt (sanftmütig). Lieber nimmt sie sich Zeit und Kraft, Frieden zu stiften und zu helfen sich zu versöhnen, als auch nur eines ihrer Kinder bestrafen zu müssen.

Wer auf diese Weise nach Frieden trachtet und sich für Frieden einsetzt, ist zutiefst getroffen und leidet, wenn andere Menschen sich bekämpfen. Das Himmelreich ist diesem Menschen bereits nahe.

Wer um der Gerechtigkeit willen verfolgt wird, hat die Ungerechtigkeit dieser Welt nicht nur satt. Er hat seine Komfortzone längst verlassen. Es gibt kein zurück mehr. In dieser Welt wird er kein Glück mehr finden, wenn er nicht weiter für die Gerechtigkeit kämpft. Was hat er jetzt noch zu verlieren? Wer auf diese Weise loslassen konnte, hat nun beide Hände frei für das Reich Gottes. Das Himmelreich ist in ihm.

Mit der achten Seligpreisung richtet sich Jesus direkt an seine Jünger (Matthäus 5:11+12):

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.

Damit spannt Jesus gleichzeitig den Bogen und macht klar: Er ist derjenige, der in letzter Konsequenz diesen Weg gegangen ist, damit der Weg für die Menschen frei wurde. All die Seligpreisungen finden in ihm Erfüllung. Selbst in der Stunde seines Todes am Kreuz blieb er barmherzig (Johannes 19:26ff), Frieden stiftend (Lukas 23:43) und sanftmütig (Lukas 23:34). Jesus selbst ist der Schlüssel zum Reich der Himmel.

Das Pop-Oratorium

Bei einem Pop-Oratorium handelt es sich um ein musikalisch zur Bühne gebrachtes biblisches Werk. Ein Genre-Mix aus klassischer und moderner Musik bilden hier gemeinsam mit einem großen Chor den Rahmen. Dabei wird die Handlung im Stil eines Musicals durch entsprechende Darsteller vorangetrieben.

Bereits 2013–2019 wurde das Pop-Oratorium ICH BIN („Jesus in Wort und Wundern“) für und mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im mehrere Tausend starken Chor der Neuapostolischen Kirche Nord- und Ostdeutschland (2013 ebenso aus der Bezirkskirche NRW, 2017 aus dem Kirchenbezirk Backnang sowie 2019 mit internationalen Sängern) geschrieben, komponiert, inszeniert und in der Dortmunder Westfalenhalle (2013), der Hamburger O2-World (2013), dem Bürgerhaus Backnang (2017), der Leipziger Messehalle (2018) und der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena (2019, in englischer Sprache unter dem Titel „I AM“) aufgeführt.

Nun soll aus diesen acht Seligpreisungen ein neues Pop-Oratorium geschrieben und komponiert werden. Zielgruppe und Mitwirkende im Chor soll dieses Mal die mittlere Generation sein. Jung wie Alt dürfen gemeinsam den Chor gestalten.

Die Idee

Frei nach den Mottos „erst wenn Gott alles ist, was du hast, wirst du erkennen, dass Gott alles ist, was du brauchst“ und „wenn Gottes Liebe in dir wohnt, wird dein Feind zu deinem Freund“, soll im Mittelpunkt dieser Geschichte Marc (AT) stehen. Marc ist Anfang Vierzig, hat einen gut bezahlten Job, und lebt kinderlos mit seiner attraktiven Partnerin in einem schönen Penthouse einer Großstadt. Eines Abends sperrt er sich unfreiwillig aus seiner eigenen Wohnung.

Nachdem er ohne jegliche Wertsachen selbst in seiner Stammkneipe keine Bleibe findet, begegnet er schließlich einem Obdachlosen, der ihn ins Großstadtstraßenleben einführt.

Die anfängliche Scheu und Widerstände gegenüber diesem für ihn völlig befremdlichen Menschen lösen sich allmählich auf und münden in eine unerklärliche Faszination über dessen Glück, Freude und Zufriedenheit.

Marc merkt, wie unzufrieden und frustriert er über sein bisheriges Leben ist. Er beschließt auch am folgenden Tag die Zeit mit diesem (diesen) Menschen zu verbringen. So begegnet er an jedem weiteren Tag unterschiedlichsten Menschen, die alle eine der Seligpreisungen im Besonderen hervorheben: das kann ein Obdachloser sein, ein Vertriebener, ein Mensch mit Behinderung, ein Flüchtling, eine Prostituierte(?), ein alter Mensch oder Kinder. Dabei sind es nicht zwangsläufig Menschen, die selbst auf der Straße leben. Aber hier begegnen sie Marc und hier nimmt er sie klar und ungefiltert wahr.

Jede Begegnung führt Marc tiefer ins Leben und auch für den Zuschauer eröffnet sich immer mehr die unerklärliche Faszination aus Leid und Glück.

Während Marc hierin eine Reise zu sich selbst erlebt, diese Menschen lieben lernt und für sie kämpft, passiert das Unerwartete: Marc stürzt selber ab. Er verliert alles, was er hat. Am Boden zerstört begegnet er Gott zum ersten Mal persönlich und findet seinen Frieden.

Marc erlebt auf diese Weise eine Woche auf der Straße. Am achten Tag erschließt sich ihm das Himmelreich.

Der Chor soll hierbei wieder eine zentrale Rolle einnehmen. Wie schon beim Pop-Oratorium ICH BIN, bei dem der Chor die Worte Jesu gesungen und verkörpert hatte, soll auch hier der Chor den göttlichen Part übernehmen und Gottes Wort, Gottes Stimme, repräsentieren.

Auf diese Weise sollen die Seligpreisungen nicht nur musikalisch interpretiert, sondern auch geistlich vertieft werden. Die Seligpreisungen, ja die gesamte Bergpredigt, sind nicht als Neuigkeit in der Bibel zu verstehen. Viel mehr stellt hier Jesus das von Anbeginn Gültige ein für alle Mal klar (Matthäus 5:17).

Daher können in der Lyrik Psalmen ebenso Platz finden wie prophetische Texte, in denen Gottes Liebe zu den Menschen zum Ausdruck kommt (z. B. Jeremias 31:3ff). Auch das Buch Hiob kann und sollte hier mit einbezogen werden, um die Tiefe der Thematik und die direkte Beziehung Gottes mit dem Menschen im Leid zu ergründen.

Die neunte Seligpreisung soll am Ende im Finale den Deckel zu machen und damit auf Jesus Christus als Erfüller der Seligpreisungen, als Erlöser und als Schlüssel zum Reich der Himmel hinweisen.

Gott redet (singt) von Anfang an zu Marc. Marc wird von Gottes Stimme gerufen. Aber im Trubel des Alltags nimmt er diese Stimme nicht wahr. Ebenfalls singt der Chor die Seligpreisungen als Worte Jesu. Aber erst mit der Auseinandersetzung mit dem Leben, dem Leiden und der Mitmenschen wird Marc immer mehr empfänglich für das Reden Gottes (Psalm 95:7+8; Hebräer 3:7+8).

Das Ende sollte an dieser Stelle nicht zu kitschig zu einem Happy End führen, denn das widerspräche der Wirkung der Seligpreisungen, die ihren Kern im himmlischen und nicht im irdischen begründen (Matthäus 7:28+29). Auch der Zuschauer soll zum Ende hin gefordert und zum Nachdenken angeregt werden. Der Prozess muss in ihm fortgesetzt werden können.

Und dennoch steht am Ende diese unbändige Faszination, die alle Sehnsucht im Menschen freisetzt: die Liebe Gottes.

Das Pop-Oratorium #Himmelreich im Internet.

Datenschutz
benjaminstoll.com, Besitzer: Benjamin Stoll (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
benjaminstoll.com, Besitzer: Benjamin Stoll (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: